Logbuch

17.08.2018
19:23

Kleine Antillen 2017 / 2018

Bevor ich nun in einem Monat meine Reise Richtung ABC-Inseln und Kolumbien fortsetze, möchte ich euch einen kleinen Einblick über die vergangenen eineinhalb Jahre in den Kleinen Antillen nicht vorenthalten, einem herrlichen Segelrevier mit einer Nord-Süd Ausdehnung von rund 600 sm, beginnend im Norden mit den Virgin Island (östlich von Puerto Rico) bis Trinidad ganz im Süden nur gerade 10 Seemeilen vor der Venezuelanischen Küste entfernt. Dazwischen liegen viele kleinere und grössere Inseln mit unterschiedlichsten Staatenzugehörigkeiten. Zu den Grösseren zählen Inseln mit bekannten und wohlklingenden Namen wie St.Martin/Sint Maarten, Saint Kitts, Nevis, Antigua, Guadeloupe, Domenica, Martinique, St.Lucia, St.Vincent und die Grenadinen, Greneda, sowie Trinidad und Tobago (von Nord nach Süd).

Als ich Ende 2016 vom Atlantik kommend in der Karibik angelandet bin, haben mich Segler mit „Willkommen im Paradies“ begrüsst. Was soll ich nun nach eineinhalb Jahren Karibik dazu sagen. Es gibt kein Paradies auf Erden – Punkt Schluss. Oder kann mir jemand erklären, was die höllischen Hurricanes in einem Paradies zu suchen haben, die regelmässig die Grossen Antillen und Leeward Islands heimsuchen und Tod und Zerstörung hinterlassen mit all dem Leid für die lokale Bevölkerung? Vernünftige Segler haben es einfach, sie verlagern ihr Törngebiet während der Hurricane Zeit weiter südlich und sind vor diesen gewaltigen tropischen Stürmen, mit wenigen Ausnahmen, sicher. Oder sie lassen ihre Yacht an Land hieven und dort an speziell geschützten Orten sturmsicher festzurren, um dann die Monate Juli bis Oktober in ihrer Heimat zu verbringen.

Als Neuankömmling mit viel Respekt vor den Naturgewalten, habe ich mich deshalb im Februar 2017 direkt in den Süden nach Grenada begeben, um mir einen Hafenplatz in der modernen Marina Port Louis für die Monate Juni bis Oktober zu sichern und ebenfalls eine Werft zu finden, die einen Garantieschaden (Farbveränderung in der Gelcoat Aussenschicht) während der Hurricaneperiode fachmännisch beheben sollte.

Nach dieser Erkundungstour hatte ich also vier Monate Zeit, die Kleinen Antillen von Süden nach Norden zu entdecken.

Es ist ein herrliches Segelrevier und dabei kann man dann wirklich von paradiesischen Verhältnissen reden. Man stelle sich vor, jahrein, jahraus etwa 30 Grad Tagestemperatur und 24 Grad Nachttemperatur, Wassertemperatur etwa 27 Grad und nahezu immer ein angenehmer Passatwind zwischen 15 und 25 Knoten – genial. Hinzu kommt, dass aus der lockeren Passatbewölkung mehr oder weniger täglich ein kurzer aber heftiger Regenguss das Deck von Salzwasser befreit. Korrosion an Stahl- und Edelstahlteilen ist deshalb im Überwasserbereich verglichen mit dem Mittelmeer hier eigentlich kein Thema.

Ein besonderes Merkmal dieses Segelreviers bringt der ständig von Ost-Nordost bis Ost-Südost wehende Passat oder Tradewind. Dies bedeutet, dass man während der Segelsaison Ankerbuchten (davon gibt es tausende) auf der Westseite der Inseln geschützt und sicher in vier bis fünf Meter Wassertiefe vor weissen Sandstränden als Ankerplatz zum Schnorcheln oder zum Übernachten anlaufen kann. Man liegt eigentlich immer vor Anker und sucht nur ganz selten eine der wenigen Marinas für den Grosseinkauf, Reparaturen oder Gästewechsel auf. Das Wasser in den Buchten ist im Allgemeinen sehr klar. Ausnahmen bilden vereinzelte starke Regenfälle, welche dann die Bäche aus den tropischen Wäldern mit Erdreich und Pflanzen anreichern und ins Meer tragen. Die Unterwasserwelt ist verglichen mit dem Mittelmeer ebenfalls paradiesisch. Die kleineren und grösseren Riffe die überall anzutreffen sind, beherrbergen eine riesige Vielfalt von Pflanzen und Tieren, die man als Europäer nur in Aquarien zu sehen bekommt. Schnorcheln oder auch Tauchen (mit Brevet) gehören hier zum Alltag. In den meisten Buchten mit Sand und Seegras finden sich stattliche Schildkröten (ein Meter Panzerdurchmesser), die sich nicht sonderlich von Schnorchlern beeindrucken lassen. So kann man diese an Land schwerfälligen, im Wasser hingegen schwebenden, behenden Tiere beim Grasen, Auf- und Abtauchen aus nächster Nähe beobachten, fotografieren und filmen – mit wasserdichten Kameras versteht sich. Die Unterwasser Pflanzenwelt ist unglaublich vielfältig in Farben, Formen und Grössen. Die Fischwelt präsentiert sich ebenso abwechslungsreich mit den kleinen Zierfischen, die wir aus den Salzwasseraquarien kennen, bis hin zu den grösseren Barrakudas, Riff Haien (eher selten) und den eindrucksvollen Stachelrochen. Für den Schnorchler, der den gebührenden Sicherheitsabstand wahrt, besteht absolut keine Gefahr. Was mich immer wieder erstaunt hat, ist die evolutionäre farbliche Anpassung der Fische an ihre gewohnte Umgebung.

Als ich von Grenada Richtung Norden unterwegs war, hat sich die Aussenschicht meines Vorsegels, von den Strapazen der Atlantik Überquerung gezeichnet, mehr und mehr abgelöst. In Martinique (Le Marin) gibt es ein grosses Angebot an Nautikspezialisten und Shops, sowie auch Segelmachern und Rigger. Hier konnte ich dann ein neues Vorsegel bei Northsails ausmessen lassen und bestellen. Mein Schiff war original mit Elvström Hi-Tech Segeln ausgerüstet. Seglerisch absolut top mit klaren Geschwindigkeitsvorteilen zu Standardsegeln, mit dem Nachteil allerdings, dass die Lebenserwartung gegenüber Blauwasser Segel etwa bei der Hälfte liegt, also vier bis fünf Jahre im Dauergebrauch. Ich hoffe, meine Investition in ein robustes Langzeitsegel bewährt sich. Meine „Anita“ ist auch mit dieser neuen Besegelung sehr schnell.

Was das Segeln in den Antillen anbelangt ist einiges zu berücksichtigen. Obwohl, wie bereits erwähnt, bietet der stetig wehende Passatwind aus östlichen Richtungen mindestens in den Leeward Islands (Nördliche Inseln) herrliche Raumwindkurse. Mit 20 Knoten Wind fahre ich meistens ein Reff im Grosssegel. In der Abdeckung der Inseln (Leeseite) ist der Wind oft böig und schwächer als auf deren Ostseite (Luvseite). Trotzdem segeln 90 Prozent auf der Westseite der Inseln. Dies hat folgenden Grund. Die Antillen liegen eigentlich mitten im Atlantik und damit sind sie auf ihrer Ostseite den Atlantikwellen ausgesetzt, die aufgrund abnehmender Wassertiefe ihre Länge verlieren und damit recht steil und hoch auf das Land und die östlich segelnden Yachten treffen – eher ungemütlich. Auch gibt es auf der Luvseite der Inseln mit ganz wenigen Ausnahmen keine geschützten Ankerplätze. Wenn man also von einer Insel zur nächsten segelt, trifft man immer auf die Atlantikwelle, was manch ein Cremitglied oder Gast zum „kotzen“ findet. Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahr sind die je nach Wetterlage auftretenden Gewitterzellen (Squalls). Wenn man so einer Gewitterzelle begegnet (ausweichen kann man nicht) und nicht rechtzeitig grosszügig refft, kann man seine blauen Wunder erleben. Die Böenwalzen bringen locker 30-50 Knoten Wind an die Segel und die Sicht verringert sich bei einsetzendem Regen und Gischt auf null. Gerefft ist die Situation für Schiff und Crew absolut ungefährlich, vor allem weil sich das ganze Unwettergebilde nach 10-15 Minuten verzieht und die Welt  wieder in Ordnung ist, als wäre nichts geschehen. Viele Charterschiffe beachten diese Gefahr zu wenig und laufen bei Vollbesegelng in solche Gewitterzellen und bekommen (Skipper und Crew) den Schreck ihres Lebens ab. Oft mit entsprechenden Schäden an Rigg, Segel und Psyche.

Wie eingangs erwähnt, sind die Inseln der Kleinen Antillen autonome Staaten oder Überseeterritorien europäischer Staaten. Die Kulturen, vor allem im Bereich Essen und Trinken mögen sich stark unterscheiden. So sind die französischen Inseln wahre Gourmetoasen, was Speisekarte, aber auch Lebensmittel- und Getränkebeschaffung anbelangt. Eines aber haben alle Inseln gemeinsam. Die Menschen lieben Musik, Rythmus, Rum und sind freundlich, offen und stehts hilfsbereit. Dabei leben sie oft in sehr einfachen Verhältnissen und auch die Arbeitslosigkeit ist je nach Insel relativ gross. Klar, dass viele jüngere Leute versuchen die Bordkasse der Fahrtensegler mit kleineren oder grösseren Dienstleistungen zu belasten wie Hilfe an der Festmacherboje, Kehricht entsorgen, Belieferung mit frischem Brot, Früchte und Gemüse und oft auch mit handgefertigten Souvenirs und guten Tipps. Leider gibt es auch in diesem Business einzelne aufdringliche und preistreibende schwarze Schafe. Die echte Kriminalität gegenüber Fahrtenseglern beschränkt sich aber mit ganz wenigen Ausnahmen auf ein absolutes Minimum. Logisch, dass man sein teures Dhingi mit Aussenborder über Nacht an die Kette legt oder an das David hängt – wir schliessen ja unsere Fahrräder und Mofas zu Hause auch ab.

Die grosse Anzahl von Kleinstaaten und Überseeterritorien bedeutet für den Segler Grenzen überschreiten. Die europäischen Überseeinseln von England, Frankreich und Holland gehören nicht zum Schengenraum. Inselhüpfen heisst also auch ausklarieren, einklarieren, ausklarieren, usw. Dies tönt einfach, ist es aber nicht immer. Immerhin sind es drei Instanzen, Zoll, Immigration und Portofficer, die jeweils Dokumente und ausgefüllte Formulare prüfen und stempeln wollen. Und ist nur eine Instanz zum Kaffee, heisst es warten. Ein unverschlossenes Büro bedeutet auch nicht, dass ein Beamter drin ist – wiederum warten. Oft ist es zeitlich sinnvoller eine halbe Stunde zum Flugplatz zu gehen und dort die Sache unkomplizierter erledigen zu lassen. Kosten entstehen die selben.

Eines der schönsten Segelreviere in den kleinen Antillen sind sicherlich die British Virgin Islands ganz im Norden. Durch die Anordnung der vielen kleineren und grösseren Inseln ergibt sich ein von den Atlantikwellen geschütztes Törngebiet. Die Distanzen von Bucht zu Bucht sind gering und die Navigation ist entsprechend einfach. Allerdings, und dies gilt für sämtliche Inseln der Antillen, ist den vorgelagerten Riffs in unmittelbarer Landnähe grosse Beachtung zu schenken. Die heutigen elektronischen Navigationskarten bieten mit ihrer Genaugkeit zwar eine sehr gute Hilfe für den Steuermann, totzdem gilt es, mit grosser Wachsamkeit Buchten und Ankerplätze anzulaufen. Dies wird dem Segler immer wieder vor Augen geführt und bewusst, wenn er die unzähligen aufgelaufenen Wracks von Segelschiffen entlang der Küsten zu sehen bekommt.

Einen ganzen Monat habe ich diese wunderschöne Inselwelt der British Virgin Islands genossen, segelnd, tauchend aber auch wandernd. Dies ist natürlich auch die Zeit der Kreuzfahrtschiffe, welche die Inselwelt unter Motor oder segelnd befahren und abertausende von Tagestouristen und Souvenirjäger den Einheimischen ein Einkommen ermöglichen. Nur vier Monate später hat der Hurricane „Irma“ alles zerstört. Es wird Jahre dauern, bis sich die Natur und die Zivilisation von dieser Naturkatastrophe gänzlich erholt haben wird – und dabei immer wieder die Bedenken vor neuer Zerstörung!

Auf meiner Rückreise Richtung Süden hatte ich nebst St.Martin und St. Barth die für den Yachtsport bekannte Insel Antigua als weitere Station angelaufen. Während meines Aufenthaltes fand in Antigua zufälligerweise die bekannte „Antigua Sailing Week“ mit beeindruckenden Megayachten und Racern statt. Entsprechend feucht fröhlich und mit beschwingten karibischen Rythmen mit bekannten Steelbands ging es dann jeweils am Abend und in der Nacht zu und her. Ich muss eingestehen, dass ich in den vergangenen Jahren die Lebensweise der Hi Society gar nicht so sehr vermisst habe.

Ab Mai zeigte mein Kompasskurs dann mehrheitlich nach Süden. Ich wollte rechtzeitig vor der Hurricane Saison in Grenada eintreffen. Immerhin war es mein erstes Jahr in einer Hurricane Region. Unterwegs hatte ich weniger Delphine beobachten können als im Mittelmeer. Es gibt natürlich welche, wie das Bild zeigt. Entweder waren es Zwillinge oder ein Liebespaar. Ein sicherlich einmaliges Erlebnis war für mich, einen springenden Wal beobachten zu können und bildlich festzuhalten.

Für den Langzeitsegler ist Fischen eine natürliche und beliebte Art der Nahrungsbeschaffung. Nicht so in den kleinen Antillen. Seit einigen Jahren nimmt die Entstehung von Sargassogras (Braunalge) dermassen zu, dass Schleppangeln auf hoher See schlicht unmöglich wird. Kaum sind Leine und Haken im Wasser, ist auch schon was daran – Sargassogras. Oft entstehen im Atlantik riesige Algenteppiche, welche die Strömung Richtung Inseln treibt. Kann man wegen der grossen Ausdehnung einem solchen Algenteppich nicht ausweichen, driftet man durch die Algen gebremst im Schritttempo, trotz Vollsegel und Wind in Schräglage dahin. Die Wellen werden durch den dichten Teppich völlig abgedämpft. Vom Schiff aus sieht das dann so aus, als würde man durch Nachbars Garten segeln (s.Bild). Ein weiterer grosser Nachteil dieses sich jährlich verstärkenden Klima Phänomens (ich nenne es Trumpeffekt) bekommen jene Yachteigner zu spüren, welche einen Hydrogenerator für die Stromerzeugung einsetzen. Ich gehöre auch dazu. Es ist ein einfaches Gerät mit Propeller und Stromgenerator, welches am Heck des Schiffes zu Wasser gelassen wird und mittels Propellerdrehung Strom erzeugt. Auch hier verfangen sich die Algen sofort und das Gerät wird zwecklos.

Pünktlich auf Vertragsbeginn bin ich dann im Juni 2017 in der Port Louis Marina in Grenada eingetroffen um mich als Tropenneuling auf die Hurricane Saison vorzubereiten. Die Erfahrung hat dann zwar gezeigt, dass hier weit im Süden gar nichts passiert. Trotz starker Hurricane Tätigkeit im Norden herrschten während der folgenden sechs Monate wunderbare Segelbedingungen. Einzig die Regenhäufigkeit hat zugenommen und damit auch die Luftfeuchtigkeit. Diese erhöhte Luftfeuchtigkeit ist für viele Yachties, die ihr Schiff in der Karibik lassen und für Monate nach Europa reisen ein ernsthaftes Problem. Ohne wöchentliches Lüften besteht Gefahr für Schimmel- und Pilzbefall in Schränken, Schubladen und unter Matratzen. Es ist fast zwingend, für längere Abwesenheiten einen Lokal Guy für das „Boatwatching“ zu engagieren. Ich habe glücklicherweise eine Klimaanlage an Bord und kann im Hafen die Luftfeuchtigkeit dadurch gering halten und dazu noch angenehm gekühlt schlafen, denn bei steigender Luftfeuchtigkeit werden hohe Temperaturen zunehmend unangenehm und sprichwörtlich schweisstreibend.

Die Port Louis Marina (eine 6* Camper Nicholson Marina) bietet jeden Komfort inkl. Restaurants, Pool, Wäscherei, Zoll und Immigration, klimatisierte Duschen und Toiletten, usw. Vor allem die Lage unmittelbar an die Haupstadt St.Georg’s angrenzend ist ideal. In der Marina liegt man ruhig und entspannt und ist trotzdem in fünf Minuten mit dem ÖV in der Hauptstadt. Im Gegensatz zu den französischen Inseln, die eigentlich gar keinen ÖV bieten ausser Schulbusse, glänzen die karibischen Staaten mit einem genialen ÖV System. Im Zentrum der jeweiligen Hauptstadt ist der Busbahnhof, das kann auch nur ein Perron sein. Von diesem zentralen Ort aus fahren Kleinbusse (15-Plätzer) in alle Himmelsrichtungen, lediglich bezeichnet mit einer Strecken Nummer oder dem entsprechenden Fernziel. Es gibt keinen Fahrplan und in den meisten Fällen auch keine Haltestellen. Die Busse fahren je nach Tageszeit mehr oder weniger frequentiert. Mehr als fünf Minuten wartet man aber nie. Oft fahren sogar zwei oder drei Busse hintereinander her. Das Geniale ist jedoch, man steht irgendwo am Strassenrand, winkt und der Bus hält. Wenn man aussteigen möchte, klopft man an die Fensterscheibe, und der Bus hält. Dies für unsere Verhältnisse zu einem Spottpreis. Eine halbe Stunde Bus fahren kostet umgerechnet etwa 85 Rappen. Im Bus trifft man über Kleinkinder und Schüler bis zum Greis alle Bevölkerungsschichten. Und sämtliche Köpfe wippen zum Rythmus der viel zu lauten Reggae Musik – herrlich. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, wie gepflegt und gut gekleidet die Menschen daher kommen. Die Frisuren der Frauen sind oft Kunstwerke, gestrickt, geknüpft, gespränkelt, geperlt und was auch immer. Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass die Menschen hier, obwohl sie ein einfacheres und bescheideneres Leben führen als wir, viel zufriedener und glücklicher sind. 

Bedingt durch die Hurricane Pause, hatte ich genügend Zeit die tropische Insel Grenada mit Bus und Wanderschuhen zu erkunden. Lediglich 12 Grad nördlich des Äquators gelegen, ist die Insel tropisch immergrün und es ist abseits der Wege absolut kein Durchkommen. Die Natur nimmt sich jeden Zentimeter, der nicht von Menschenhand freigehalten wird. Dies betrifft Telefonstangen, welche durch Ranken nicht mehr sichtbar sind, abgestellte Fahrzeuge oder Schiffe, und natürlich auch Bauruinen und Wohnhäuser, deren Gärten und Umschwung nicht laufend gepflegt werden. Durch die Farbenpracht der exotischen Bäume und Farne mit oft bis zu zwei Meter durchmessenden Blättern und überdimensionierten Blumen und Blüten, kommt man nicht aus dem Staunen heraus. Am Strassenrand blühen die Orchideen wie bei uns das Unkraut. Auch der typische feuchte Urwaldduft nach Modrigkeit, Planzen und Blüten begleitet einem stets auf den Wanderungen. Die vom Urwald bedeckte hügelige Landschaft gibt auf Wanderwegen immer wieder den Blick auf kleine und grössere Wasserfälle und Kraterseen frei. Da sehr viele Segler die Sturmzeit in Grenada verbringen, ist auch immer irgendwo, irgendetwas los. Die wöchentlichen Treffs der Segler aus aller Welt in einfachen lokalen Restaurants mit Barbecue und Musik sind legendär. Oft sind die Musiker selbst Segler und veranstalten regelrechte Jam Sessions. Es wird aber auch hochstehende, professionelle Musik angeboten. So findet beispielsweise in einem von einem bekannten Schweizer Ehepaar geführten Marina/Hotelressort „Le Phare Bleu“ auf dessen Lightship ein wöchentliches bühnenreifes Konzert statt. Der Hotelbesitzer ist gleichzeitig Bandleader und sitzt am E-Piano. Jährlich im Oktober ist die Band mit ihrer super Sängerin einen Monat auf Europatournee.

Gegen Ende Juli war es dann wieder soweit für den jährlichen unverzichtbaren Besuch meiner Kinder und Enkelkinder und all den Freunden und Bekannten in der Schweiz. Da ich mit meiner Tochter Anita und den Enkelkindern wöchentlich oft mehrmals in Kontakt stehe, ist vom „Fremden“ bei der Ankunft am Flughafen in Zürich-Kloten bei den Beiden keine Rede. Nina und Dario stürmen jeweils geradezu auf mich los. Meine Tochter ist eh ein Schatz, da sie während meiner 11-monatigen Abwesenheit über meinen Briefkasten wacht und die meisten Abwesenheitsprobleme gerade selbst an die Hand nimmt. Mein Schweizaufenthalt war wiederum kurz, aber heftig. All die Einladungen zu fürstlichen Mahlzeiten, das institualisierte Kulturreisli mit Crewmitgliedern, das Kunkels Maiensäss Wochenende, der mehrstündige Liechtensteiner Lunch, usw. bleiben mir jeweils lange in Erinnerung. Einen speziellen Dank gebührt auch meiner Gastfamilie Markus und Jill in Haldenstein, bei denen ich während meines Schweizaufenthaltes ihre kleine Zweitwohnung einfach so für mich nutzen kann. Markus spielt auch gerne kostenloser Taxichauffeur – vielen Dank. So verging die Zeit in der Schweiz schnell und sehr kurzweilig. Der Abschied von meiner Tochter und den beiden Enkelkinder ist jedesmal sehr emotional und schrecklich. Mein Gepäck war immer bis zum Limit mit zusätzlichen Ersatzteilen und Zubehör gefüllt. Dieses Jahr hatte ich sogar ein zusätzliches Gepäckstück. Anita und mein Sohn Andrea haben mir eine nicht ganz kleine Tiefkühlbox geschenkt, die nun ebenfalls mit auf die Reise ging. Die Gäste auf „Anita“ und insbesondere ich haben inzwischen den Gin Tonic oder Cola Rum mit Eis beim Sonnenuntergang schätzen gelernt. Aber auch Fisch, Fleisch, Brot, vorbereitete Mahlzeiten, usw. finden sich für Langfahrten in der neuen Gefrierbox – eine weitere Steigerung der Lebensqualität auf meinem Schiff.

Eine eher unrühmliche Geschichte, deren Inhalt ich nur ganz wenig Platz einräumen möchte (einmal ärgern genügt schliesslich), war die Lackierung des seitlichen Bootrumpfes auf Werkgarantie, als ich wieder zurück in Grenada war. Insgesamt 7 Wochen bin ich in der Marina Clarkes Court mit meinem Schiff auf dem Trockenen gestanden und die Arbeit der Firma CBS war alles andere als befriedigend. Dies veranlasste mich dann auch gegenüber meiner Werft in Deutschland einen Garantievorbehalt zu hinterlegen. Zur Sache nur soviel: ich hatte vorher schon einige graue Haare, jetzt habe ich nur noch graue Haare, inklusive drei Tagesbart.

Durch die zeitliche Verzögerung auf dem Boatyard musste ich mich im Anschluss sehr beeilen, Mitte Dezember noch rechtzeitig meine ersten Gäste aus der Schweiz in Martinique in Empfang nehmen zu können. Das gemeinsame Weihnachtsessen im berühmten Restaurant „Dolittle“ in der Marigot Bay, St. Lucia hat meine unschönen Erinnerungen vom Bootsyard dann aber schnell verdrängt. In der Zeit von Mitte Dezember 2017 bis Mitte Mai 2018 hatte ich insgesamt 8 Törns mit Bekannten, Verwandten und Freunden in dieser Region (Martinique bis Grenada) absolviert. Sonnenuntergänge wurden dabei mit Abstand am Häufigsten fotografiert. Wegen der grossen Hurricane Schäden war eine Ausdehnung des Törngebietes nach Norden leider nicht möglich, obwohl dies so geplant war. Zwei Crews mussten deshalb ihre Flugdestination von St. Martin nach Martinique umbuchen. Meine zunehmenden Revierkenntnisse machten mich dann auch mal zum lokalen Reiseleiter. Ich kannte bald die empfehlenswerten Ausflugsziele an Land und die entsprechenden Aussichtspunkte und Restaurants auf den verschiedenen Inseln. Statt mit lokalen Reiseanbietern relativ teure Touren zu machen, konnte ich per Leihwagen den Gästen individuelle Highlights vor Augen führen. Ich musste jeweils einfach aufpassen, auf welcher Insel ich nun mit Links- oder Rechtsverkehr unterwegs zu sein hatte. Mit einer Ausnahme waren die Gästetörns auch für mich wiederum sehr erholsam und abwechslungsreich. Zu dieser Ausnahme auch nur eine kurze Bemerkung. Auf einem kleinen Schiff mit kleiner Pantry und gemischter Crew eignet sich eine militante vegane Gesundheitsernährung nicht. Man müsste zwei Kühlrschranke, zwei Kochherde und viel mehr Stauraum zur Verfügung haben um all die zusätzlichen veganen Produkte zu kühlen, zu stauen und zuzubereiten. Vegetarier sind diesbezüglich absolut unproblematisch. Sie essen anstelle von Fleisch einfach ein bisschen mehr Beilagen, Gemüse und Salat und statt Rindsbouillion benutzt man halt Gemüsebouillion – so tolerant sind die Nichtvegetarier.

Technisch ist mein Schiff immer noch absolut top und fit. Allerdings gehen auch an „Anita“ sechs Jahre Hochsee mit rund 20‘000 zurückgelegten Seemeilen nicht ohne Abnutzungserscheinungen vorüber. So musste ich dieses Jahr auch das Grossegel ersetzen und bereits zum zweiten Mal die Bordbatterien austauschen. Auch die elektrische Ankerwinde hatte eines Tages mit einem Getriebeschaden ihren Betrieb eingestellt. Zwei oder drei Tage ohne diese Winsch, allein mit Muskelkraft den Anker zu lichten, lehrt einen dieses Zubehör echt wieder zu schätzen. Crewmitglieder die dabei waren können dies bestätigen. Im Allgemeinen ist es schon toll, wenn Gäste ihre speziellen beruflichen Kenntnisse am Boot einsetzen. Dabei danke ich allen Computer-, Mechanik- und handwerklichen Spezialisten die mich unterstützt haben.

Nun bin ich also wieder im südlichen Grenada um die zweite Hurricane Saison zu verbringen. Durch die erlangte Karibik Erfahrung bin ich allerdings einen Monat später Richtung Süden gesegelt und werde auch mehr als einen Monat früher weitersegeln als im Vorjahr. Auch bin ich dieses Jahr nicht in der Marina, sondern ankere in verschiedenen Buchten im Süden Grenadas. Dies ist abwechslungsreich und ergibt immer wieder neue interessante Kontakte und Freundschaften. Wichtig ist dabei allerdings, dass man sich laufend mit der Wetterentwicklung und den entsprechenden Vorhersagen beschäftigt. Dazu bietet das National Hurricane Center in Florida (NOAA) eine absolut unverzichtbare Hilfe. Entstehende Hurricanes im Westen von Südafrika werden bereits 5 Tage vor Eintreffen in der Karibik detailliert beschrieben und bebildert. Die Informationen werden täglich mehrmals aktualisiert. Auch meine Tochter Anita beschäftigt sich während der Sturmzeit mit diesem aufschlussreichen App (NOAA) zur Beruhigung oder zum Mitfiebern. Meine Hauptbeschäftigungen der kommenden zwei Monate hier in Grenada beschränken sich auf Segeln, das Leben geniessen und meine Spanischkenntnisse vertieft aufzubessern, denn ich segle die nächsten zwei Jahre in spanisch sprechenden Hoheitsgewässern, wie Kolumbien, Panama, Kuba und der Dominikanischen Republik.

SY Anita(info@sy-anita.ch)weiterleitenPermalinkKommentare 0Gravatar: SY Anita
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06.03.2017
13:45

Atlantiküberquerung 2016

Nun bin ich also im Paradies – auf Erden versteht sich. Ich sitze unter Palmen am weissen Strand von Bequia in der südlichen Karibik und geniesse einen Rum Punch (nicht heiss, sondern mit Eis). Dabei erinnere ich mich ein gutes halbes Jahr und etwa 7'000 Kilometer in nordöstlicher Richtung zurück und bin genau dort, wo mein letzter Logbucheintrag geendet hat – in Palma de Mallorca, Balearen.

Nachdem ich also Mitte Juli aus meinem Kurzaufenthalt aus der Schweiz nach Palma de Mallorca zurückgekehrt war, begann bereits mein Atlantikabenteuer, indem Schiff und Technik für die grosse Fahrt vorbereitet wurden. Mehrheitlich durch Experten wurden Segel und Rigg, die Gasversorgung sowie Rettungsmittel und Rettungsinsel auf Funktionalität überprüft. Der Volvo Penta Motor erhielt seinen 2'000/h Service. Von meinem Zubehörausrüster Shipshop in Duisburg sind rechtzeitig die bestellten 35 Gastlandflaggen aller Karibikinseln, mehrere Revierführer, elektronische und gedruckte Seekarten für die Region Atlantik und Karibik eingetroffen. Blieb noch der Einbau des neuen AIS Transponders, welcher erlaubt sämtliche Berufsschiffe auf meinem Kartenplotter zu sehen und was noch wichtiger ist, von diesen Schiffen auch auf ihren elektronischen Geräten gesehen zu werden. Dazu gibt es auch Apps, die erlauben meinen Standort sowie Track in Küstennähe via Internet zu verfolgen (die Links dazu finden sich auf der ersten Seite meiner Homepage).


Ende Juli war dann der Zeitpunkt gekommen, endgültig von den Balearen Abschied zu nehmen Richtung Westen…Westen… Westen. Ich hatte 14 Tage Zeit um nach Malaga (Andalusien) zu gelangen, um ein befreundetes Ehepaar aus München an Bord zu nehmen, welches mich für die Etappe zu den Kanarischen Inseln begleiten würde. Mehr als genügend Zeit also für diese 400 Seemeilen. Trotzdem ist unter Segel immer genügend Reservezeit einzuplanen, Windrichtung- und Stärke, Seegang aber auch technische Probleme können geplante Reisezeiten massiv beeinflussen. So war ich drei Tage im Hafen von Carrucha blockiert um meinen Windgenerator zu reparieren. Ich hatte in Palma de Mallorca dieses Gerät in Garantie ersetzen lassen (Korrosionsschäden), wobei dabei scheinbar ein elektrisches Zuführungskabel verletzt worden war - Fazit, der Windgenerator produzierte keinen Strom mehr. Allein die Fehlerdiagnose hatte unter freundlicher Skype Mithilfe der Lieferfirma einen Tag in Anspruch genommen. Schier unlösbar schien mir dann, ohne fremde Hilfe den schweren Windgenerator aus seinem ‘Hochsitz’ auf dem Geräteträger zu demontieren und wieder zu montieren. In solchen Situationen wird man gezwungenermassen einfallsreich. Mit Hilfe des Spinnackerbaumes fertigte ich einen Kranausleger an, mit dessen Hilfe ich den Windgenerator über eine Seilwinde anheben und absenken konnte (s. Bild). Das Verlegen des neuen Elektrokabels war dann nochmals eine Halbtagesarbeit mit viel Kratz- und Schürfspuren an meinem ganzen Körper. Nichts, aber auch gar nichts ist so schlecht zugänglich wie ein verbauter Bootskörper! Die Weiterfahrt war dann um so genüsslicher, bei besten Wind- und Wetterverhältnissen, verbunden mit herrlichen Buchten Stopps entlang der Andalusischen Küste, erreichte ich rechtzeitig mein Etappenziel Malaga. 

Schön, wieder einmal Gäste an Bord zu haben. Die ganze Mittelmeer Durchquerung von der Südtürkei, über Griechenland, Sizilien, Sardinien, Balearen bis nach Malaga hatte ich ja ‘einhand’ zurückgelegt. Die Etappe über Gibraltar zu den Kanaren betrug ungefähr 700 Seemeilen, womit es einiges an Lebensmittel einzukaufen gab. Lediglich Diesel und alkoholische Getränke planten wir im taxfreien Gibaltar zu übernehmen. Wer die Strasse von Gibraltar durchquert, sollte wenn möglich einen Zwischenstopp auf der geschichtsträchtigen englischen Halbinsel Gibraltar einplanen. «Very British» geht es da zu und her und man wähnt sich kulturell und architektonisch in einer typischen englischen Kleinstadt. Das Ein- und Ausklarieren war absolut stressfrei und wurde im Hafenbüro der Marina erledigt.

Die Strasse von Gibraltar zu durchsegeln braucht eine gewisse Vorbereitung und Planung. Klar, die Windverhältnisse sind grundsätzlich massgebend ob man segeln kann oder Motoren muss. Dazu kommen aber die etwas komplizierten Strömungsverhältnisse, durch welche man bei richtiger Interpretation und entsprechender Abfahrtszeit die 30 Seemeilen der Meerenge in vier Stunden statt in acht Stunden bewältigen kann. Gratulation Gert, wir haben richtig gerechnet. Zudem konnten wir ein Wetterphänomen einer ganz kurzfristigen stockdichten Nebelbank eindrücklich erleben, mitten im Sommer bei schönstem Wetter. Die Windverhältnisse Richtung Kanarische Inseln waren ideal. Mit Ausnahme, dass wir uns zu Beginn etwas zu nahe der marokkanische Küste genähert hatten und von der Marine freundlich aber bestimmt weggewiesen wurden, verlief die Reise absolut genussvoll und fast ausschliesslich unter Segel. Ausser meinem stündlich, fünfminütigen «Brückengang» hatten wir dank AIS und Radar nachts mehrheitlich durchgeschlafen – herrlich. Die Atlantikwelle war zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Es ist einfach so. Nichts hält – alles fällt! Der gedeckte Frühstückstisch im Cockpit wurde zur beweglichen Masse und selbst sechs Hände konnten einfach nicht alles unter Kontrolle halten. Und so machte Mühe wieder einmal erfinderisch. Nach ein paar Skizzen und Entwürfen übernahm der geniale Bastler Gert die Aufgabe zu Hause ein geeignetes, einfaches Tablett zu konstruieren, welches dem Chaos auf dem Cockpittisch Einhalt gebieten sollte. Um es gleich vorweg zu nehmen, war dieses geniale Tablett bereits auf der Atlantiküberquerung Teil des ‘Anita-Inventars’ (s. Bild).

Das Segelrevier Kanarische Inseln unterscheidet sich massgeblich vom Mittelmeer. Das Windsystem unterliegt bereits den Passat Gegebenheiten (mehrheitlich NE Winde von 15-30 Knoten). Der Tidenhub kann bis zu drei Metern betragen und die Welle ist bei Starkwinden zwar hoch (bis 4 Meter) dafür aber langgestreckt. Die Wasser Temperaturen liegen um 20 bis 23 Grad. Nebst Atlantikfischen wie Marlin und Goldmakrele sind auch grössere Delphingruppen und Grindwale zu beobachten. Die vulkanischen Inseln verlaufen auf einer Länge von rund 500 Kilometer von Nordost nach Südwest und unterscheiden sich klimatisch, topografisch und in Bezug auf Fauna und Flora ganz erheblich. Obwohl die vulkanischen Inseln bereits vor Jahrmillionen entstanden sind, gibt es immer noch Vulkanaktivitäten. So erlebte Lanzarote im 18. Jahrhundert nochmals einen gewaltigen Vulkanausbruch, welcher die Insel auch heute noch eindrucksvoll prägt, als wäre die Katastrophe erst unlängst geschehen. Die Insel Fuerteventura wiederum weist langgezogene hohe weisse Dünen auf, welche durch windbedingte Sahara Sandverfrachtungen entstanden sind. Je südlicher man sich befindet, desto bewachsener und subtropischer werden die Inseln. «Grössenwahnsinnig» ist die Vulkanspitze des Teide auf der Insel Teneriffa. Mit 3'718 Metern Höhe ist er gleichzeitig der höchste Berg Spaniens und wenn man bedenkt, dass in unmittelbarem Distanz das Meer auf 4'000 Meter absinkt, ist dies schon sehr eindrücklich. 

Während meines dreimonatigen Aufenthaltes in dieser Inselwelt hatte ich mehrere Törns mit Freunden aus der Schweiz gemacht und immer hatten wir auch Landausflüge mit Mietautos unternommen um Menschen, Geschichte und Kultur besser kennenzulernen. Mich persönlich hatte die Insel La Gomera am meisten beindruckt. Durch die aufsteigenden Nebel der Passatwinde, ist die nordwestliche Inselhälfte subtropisch fruchtbar mit ausgedehnten Lorbeer Regenwäldern und Riesenfarnen. Die vom Wind abgewandte Seite ist karg und zeigt die Gesteins- und Sedimentschichten von Jahrmillionen. Wir hatten ausgedehnte Wanderungen unternommen und ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele Fotoaufnahmen gemacht, denn es war überwältigend. 

Mitte November hatte ich mich bis zu den Startvorbereitungen der Atlantiküberquerung in der Marina Las Palmas de Gran Canaria niedergelassen. Ein Wasserverlust bei laufendem Motor machte den Ersatz der Wasserpumpe notwendig und das Vor- und Hauptsegel bedurften einiger Reparaturen und Verstärkungen. Immerhin waren auf den kommenden 3'000 Meilen keine Reparaturen möglich. Der Einkauf an Lebensmittel und Getränke für die Atlantik Crew (3 Personen) füllte einen ganzen Mietwagen. Ich war in grosser Sorge, wie dies alles in den Bauch von ‘Anita’ reinpassen sollte. Für Früchte und Gemüse hatte ich im Salon und unter dem Geräteträger im Cockpit Netze gespannt. Haluk, ein bayrisches Crewmitglied aus München war besorgt, ob denn genügend Bier an Bord sei. Doch obwohl wir unterwegs nicht gespart hatten, konnten wir in der Karibik immer noch unser geliebtes «San Miguel» geniessen. 

Kurz vor Start zur grossen Fahrt gab es für mich noch eine besondere Überraschung. Da ich ja über den Jahreswechsel nicht in der Schweiz weilen würde, hatte mich meine Tochter Anita mit der 5-jährigen Enkelin Nina in Las Palmas besucht. Es waren für uns Alle vier unvergessliche Tage. Nina, das erste Mal Fliegen, auf Grosspapis Boot schlafen, im Dezember im Meer baden, im Aqua Park einen Delfin streicheln, usw. Der Abschied am Flughafen war uns dann auch nicht leicht gefallen. 

Erster Dezember – Leinen los. Obwohl die Windvorhersagen für die ersten vier Tage nicht dem Passatmuster entsprachen, wollten wir ablegen – wir hatten rund drei Wochen Atlantik vor uns und wir wollten einfach nicht warten. Die klassische Passatroute in die Karibik ist eigentlich klar; ab Gran Canaria rund 700 Seemeilen in südwestlicher Richtung. Dann etwa 100 Seemeilen nördlich der Kapverdischen Inseln Richtung West. Insgesamt etwa 2'800 Seemeilen. Unser Kurs führte uns die ersten drei Tage windbedingt unter Kreuz Richtung Süden, etwa 60 Seemeilen der afrikanischen Küste entlang bis sich endlich der Passat einstellte. Dann ging es aber flott voran. Zuerst mit 15-20 Knoten (wir konnten zwei volle Tage und Nächte den Spinnacker fahren), später mit 20-30 Knoten gerefft. Wenn anfänglich nur vier Knoten Speed auf der Logge waren, so steigerte sich dies bald einmal auf 7, 8 und 9 Knoten. Unsere Spitzengeschwindigkeit war kurzfristig (zum Glück) 14.5 Knoten! Grundsätzlich sind drei Komponenten massgebend für eine sorgenfreie Atlantiküberquerung. Klima (Wetter, Wind und Welle), Rigg und Technik und schlussendlich die menschliche Komponente. 

Wetter: Der Passatwind ist zwischen Dezember und April ziemlich stabil. Obwohl es immer wieder mal zu sogenannten Passatstörungen kommen kann, wenn ein nördliches Tiefdruckgebiet zu grossen Einfluss nimmt und Flaute oder Starkwinde aus unterschiedlichen Richtungen verursacht. Ein Bestandteil des Passatwindes sind die mehr oder weniger ausgeprägten Squalls (Gewitterzellen). Nachts sind sie heimtückisch, da sie schlecht sichtbar und vorhersehbar sind. Ist man aufmerksam, kann man meistens im Radar die dazugehörige Regenzelle beobachten. Dann heisst es blitzartig Reffen, Reffen, Reffen. Das ganze Spektakel dauert jeweils nur 10 – 20 Minuten und das Schiffsdeck und die Crew sind wieder Süsswasser gereinigt. Um kein zu grosses Risiko einzugehen, hatten wir mit zunehmender Passatwindstärke abends, bei beginnender Dämmerung die Segelfläche vorsorglich verkleinert. Nicht alle Übersegler haben dies so gemacht und sind unter Regattabedingungen mit vollen Tüchern in die Nacht gesegelt. In Martinique hatte mir ein österreichischer Skipper erzählt, sie hätten bei der Überfahrt drei(!) Spinnacker unbrauchbar gemacht – na Servus! Wer hat schon drei Spinnacker an Bord. Auch wir hatten ein Spinnacker-Problem, aber dazu später.

Schlussendlich ist es eigentlich die Welle, die eine Atlantiküberquerung zu einem mehr oder weniger strapaziösen Erlebnis macht. Mit den ost-nordöstlichen Winden kommt die Welle aus achterlicher Richtung und trifft das Schiff schräg von hinten. Daraus entsteht das sogenannte Schlingern, ein Schaukeln in Längs- und Querachse. Bei 3-4 hohen Wellen wird damit jede Bewegung und Tätigkeit zur akrobatischen Leistung. Vor allem Kochen und Abwaschen erfordert zirkusähnliches Geschick und man wird je nachdem zum Artisten oder zum Clown. 

Rigg und Technik: Beim Rigg kann man nicht mehr tun als vorab im Hafen das gesamte stehende und laufende Gut akribisch auf einwandfreien Zustand prüfen. Während der Fahrt lassen sich lediglich Bolzen und Sicherungen an Deck kontrollieren und die Wanten und Terminals sowie alle Umlenkrollen bis zur Mastspitze per Fernglas beobachten. Die übrige Technik an Bord kann je nach Zustand oder Störung zu kleineren oder grösseren Problemen führen.

Auch wir waren nicht vor unliebsamen Überraschung verschont – allerdings ohne schwerwiegende Folgen. Bei ständig nachlassender Stromproduktion durch den Hydrogenerator hatte sich bald einmal herausgestellt, dass ein Defekt vorliegen musste. Schlussendlich hat der durchgebrannte Regler zum Verzicht dieses Gerätes geführt – leider. So mussten wir alle zwei Tage den Motor für etwa zwei Stunden in Betrieb nehmen nur um die Bordbatterien zu laden und die Trinkwasseraufbereitung durch die Entsalzungsanlage betreiben zu können. Mit reduzierten Touren und ohne Propellerantrieb allerdings, aber trotzdem. Wer hört schon gerne während des Segelns das monotone Motorengeräusch. Ebenfalls versagt hatte die Nachtbeleuchtung an einem der beiden Steuerkompasse. Für uns war dies zwar kein Problem, da wir zu 99% mit Autopilot unterwegs waren und somit nur passiv steuern mussten. Passiv steuern heisst, ab und zu den Autopiloten um ein bis zwei Grad zu korrigieren um das Risiko einer ungewollten Halse zu minimieren.

Für mich eher unangenehm waren zwei Vorkommnisse, bei denen ich im Atlantik tauchen musste um an die Propellerwelle zu kommen. Einmal war bei einer ungewollten Halse (mit gesichertem Baum natürlich), die Angelleine mit Stahlvorlauf in die für das Notmanöver laufende Propellerwelle gelangt und hatte diese augenblicklich blockiert. Ein anderes Mal musste der Spinnacker geborgen werden, da eine Schot wegen Überlastung gerissen war. Dank des schnellen und mutigen Eingreifens meines sturmerprobten Mitseglers Haluk konnten wir zwar den Spinnacker (Parasailor) unverletzt bergen, hingegen fand das über Bord gegangene Bergetau seinen Weg ebenfalls in die für das Notmanöver laufende Propellerwelle. Tauchen mitten auf dem Atlantik war kein spassiges Erlebnis. Eintausend Seemeilen beidseits von Bug und Heck zum Festland, viertausend Meter in die Tiefe und eine Welle von drei Metern. Der österreichische Skipper würde dazu sagen – na Servus! Hinzu kam ja noch die unterschwellige Angst von kleineren und grösseren Meeresbewohnern, die in Küstennähe eher selten anzutreffen sind, sowie die Ungewissheit, ob der Schaden bei den schwierigen Verhältnissen überhaupt zu beheben sei. Trotzdem die Arbeit musste getan werden, denn eine funktionierende Maschine ist für Notmanöver zwingend erforderlich. Ohne meine ‘Freediver’ Tauchausrüstung wäre eine Problemlösung undenkbar gewesen. So hingegen konnte ich für längere Zeit in (relativer) Ruhe unter Wasser arbeiten und die Schraubenwelle jeweils wieder frei bekommen (s. Bild).

Die menschliche Komponente: Eine Atlantiküberquerung auf der Passatroute dauert etwa drei Wochen. Die gängige Bootsgrösse der Übersegler liegt im Durchschnitt bei etwa 14 Metern Länge und 4-5 Metern Breite. Wenig Raum also für das Leben an Bord für mehrere Personen und mehrere Wochen. Dies stellt physische und psychische Anforderungen an jedes einzelne Crewmitglied. Entschärft wird das Problem bei reduzierter Crew. Weniger Menschen - mehr Freiraum für den Einzelnen. Absolut vorteilhaft ist es, wenn sich die Crew bereits sehr gut kennt und damit mit den Stärken und Schwächen der Mitsegler umgehen kann. Stellt sich vielleicht die Frage, wie gut kennt man seine Freunde und Bekannte wirklich. Ich hatte mich bewusst für eine dreier Crew entschieden um grösstmöglichen Freiraum und mit der Belegung nur einer Person pro Koje eine gewisse Privatsphäre zu gewährleisten. Zudem zählte Haluk, einer der Crewmitglieder zu der Mannschaft, die bereits 2011 eine Atlantiküberquerung mit mir absolviert hatte. Ich wusste, dass ich mit meinem Freund Haluk sogar eine Weltumsegelung unternehmen würde. Haluk verbürgte sich für seinen Freund, der ihn als Mitsegler begleitete. Ein sehr wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung der guten Moral, ist eine abwechslungsreiche und gute Verpflegung. Wir hatten trotz der ‘Kochstrapazen’ wirklich königlich gegessen und getrunken und die drei Tagesmahlzeiten immer eingehalten. Sogar das Frühstücksei hatte nie gefehlt. Frischen Fisch gab es leider nur zweimal, obwohl wir mehrmals grosse Fänge an der Leine hatten – zu grosse, wie sich mehrmals nach Verlust von Leine und Köder feststellen liess. 

Die Überquerung dauerte in unserem Fall 22 Tage, wobei wir an unserem ursprünglich festgelegten Ziel Barbados nach 21 Tagen bewusst vorbeigesegelt sind und St. Vincent angesteuert hatten. Hätten wir die ersten vier Tage nicht entlang der afrikanischen Küste aufkreuzen müssen, wäre eine Überquerung unter 20 Tage möglich gewesen. ‘Anita’ war nämlich schnell, sehr schnell unterwegs. Durch den anfänglichen Umweg hatten wir nämlich in diesen 22 Tagen nicht nur die üblichen 2'800 sondern 3'200 Seemeilen zurückgelegt. Just an diesem letzten Tag, etwa 30 Seemeilen vor St. Vincent überrannte uns eine Gewitterzelle mit Sturmböen über 40 Knoten und sintflutartigen Regenfällen. Obwohl stark gerefft hielt die Verankerung des Spinnackerbaumes, welcher zur Stabilisierung des gerefften Vorsegels eingesetzt wurde, den Kräften nicht mehr Stand und brach entzwei. Glück im Unglück, denn der Spinnackerbaum schlug nicht auf das Deck, sondern baumelte an seinen inneren und äusseren Halteleinen wild umher. Wieder mit Haluks kräftiger Unterstützung konnten wir den Baum unter misslichen Bedingungen bändigen und seitlich an der Reeling festzurren. Auch zerrten die Böen dermassen stark am Vorsegel, dass sich äussere Lagen des mehrschichtigen Segelmaterials ablösten und den Böen hinterher flogen. Schäden, die auf eine Reparatur am Zielort Le Marin in Martinique warten mussten. 

Für die Crew war es ein grosses Erlebnis kurz vor Weihnachten endlich Land in Sicht zu bekommen und schliesslich wieder einmal festen Boden unter den Füssen zu haben. Da wir mitten in der Nacht St. Vincent erreichten und in einer Bucht vor Anker gingen, konnten wir die Details unserer neuen tropischen Umgebung erst am Morgen so richtig geniessen – Palmen, weisser Strand und 25 Grad Wassertemperatur. Endlich hatten wir auch wieder täglichen Kontakt mit den Lieben zu Hause, obwohl wir unterwegs per Satelliten Telefon ab und zu Reiseverlauf und Grüsse mitteilen konnten. Der Rückflug meiner beiden Mitsegler nach Europa war für den 3. Januar 2017 ab Martinique vorgesehen und so hatten wir noch zwei Wochen entspanntes Segeln vor uns entlang der Inseln St. Vincent, St. Lucia und Martinique. In Le Marin, Martinique angekommen hiess es ‘Anita’ nach drei Wochen und mehr als 3'000 Seemeilen von Salz und Korrosionsansätzen zu befreien. Die Crew hatte sich aufgeteilt, indem die beiden Mitsegler intensiv Deck und Reeling pflegten und ich unter Deck für Ordnung und Sauberkeit verantwortlich war. Ein schöner und interessanter Abschluss unserer gemeinsamen Reise war die Inselrundfahrt von Martinique per Mietauto. Haluk war über ein Jahr für seine Firma in Martinique tätig und eignete sich deshalb ausgezeichnet als kompetenter Reiseführer. Im Anschluss an ihre Heimreise am 3. Januar konnte ich in Le Marin die notwendigen Reparaturen an ‘Anita’ ausführen. Diese Naturbucht im Süden von Martinique mit ihren Marinas, Werften und Spezialausrüster eignet sich für jegliche Reparaturen an Schiff und Ausrüstung. 

Schon bald, am 10. Januar würde mein Besuch aus der Schweiz eintreffen für einen 3-wöchigen Segeltörn. Dies aber ist eine andere, neue Geschichte.

Mein Freund Haluk hat für sich einen Film geschnitten und diesen auf Youtube gestellt. Hier der dazugehörige Link

    

 

 

 

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29.06.2016
17:39

Frühling 2016 - Südtürkei zu den Balearen

Etwas wehmütig habe ich Mitte April die wunderschöne Marina in Marmaris zum letzten Mal verlassen. Es hiess Abschied nehmen von diesem herrlichen Segelrevier, welches ich nun eineinhalb Jahre erkundet habe und es hiess auch Abschied nehmen von neuen Bekanntschaften und Freundschaften die ich hier geschlossen habe.  Die Südtürkei ist für Segler, ob nun für kurze oder längere Aufenthalte, absolut empfehlenswert. Schade, dass die politische Lage nicht nur bei Einheimischen, sondern auch bei Touristen Unsicherheit ausgelöst hat, obwohl man in dieser Region gar nichts von den politischen Veränderungen spüren konnte. Das Ausklarieren ging mit Hilfe meiner Agentin (sowas braucht es für alle amtlichen Handlungen) problemlos.

Da ich die Griechischen Inseln (Kykladen) bereits in den Vorjahren mehrmals besegelt habe, war die Durchquerung der Ägäis zum südlichsten Punkt des Peloponnes ohne längere Aufenthalte geplant. Auf der Insel Symi, lediglich 6 Seemeilen von der Türkischen Küste entfernt, habe ich in den Schengenraum einklariert. Damit war ich wieder in Europa. Diese Prozedur hat - auch wieder mit einem Agenten - einen ganzen Tag gedauert und auch einiges gekostet (140 Euro), wobei mehr als die Hälfte davon dem Agenten zukam. Dafür nutzte ich die Gelegenheit noch einmal eine der schönsten Buchten der Kykladen zu besuchen, die vollkommen geschützte Naturbucht des berühmten Klosters Pandormitis, im Südwesten der Insel Symi. Dort hatte ich eine nette Schweizer Segler Familie kennengelernt die ebenfalls vor Anker lag - mit Einladung zum Nachtessen. Dabei haben die beiden Schweizer Nationalflaggen die zur Zeit noch unberührte Bucht eindeutig dominiert. Die Inseln Astipalaya, Ios und Milos waren die weiteren Etappenziele bis zur Südspitze des Peloponnes. Sehr fotogen und geschichtlich interessant fand ich dort die Felseninsel Monemvasia, mit dem gleichnamigen antiken Städtchen, wo ich einen Starkwindtag in einer nahe gelegenen, geschützten Bucht vor Anker abwettern konnte. Die fast 2‘000 Jahre alte Siedlung am Fels galt durch all die Jahrhunderte als uneinnehmbar. Viele Bauten wurden restauriert und heute ist das Städtchen ein Touristenmagnet. 

Meinen ursprünglichen Plan, das Ionische Meer vom Südpeloponnes zur Südwestküste Siziliens zu durchqueren, habe ich aus Sicherheitsgründen wegen der wieder vermehrt gesichteten Schlepperboote, geändert.  Ich bin dann am westlichen Peloponnes hochgesegelt bis nach Argostolion zur Insel Kefalonia, die am Eingang zum Golf von Korinth liegt. Dies war dann der Ausgangspunkt für die Übersegelung zur Strasse von Messina, bei Sizilien. Durch diesen sicheren Umweg ergab sich dafür ein Besuch des Antiken Olympia, welches von der Hafenstadt Katakolon per Strassenbahn in einem abwechslungsreichen Tagesausflug erreichbar war. 

Die Durchquerung des Ionischen Meeres (270 Seemeilen) war wegen Starkwind recht anstrengend. Zwei Beaufort mehr als vorhergesagt, haben meine Kräfte und Ausdauer ziemlich beansprucht. Dafür  ging es flott voran. Nicht einmal ganz zwei Tage und zwei Nächte hat die Reise gedauert. Selbst für drei Jungmöven, die sich einige Stunden an Deck für den Weiterflug ausgeruht hatten, war die Überquerung scheinbar auch nicht ganz so unanstrengend. Mein Schiff „Anita“ hat sich sehr gut gehalten. Auf die Windmessanlage musste ich in der zweiten Hälfte der Fahrt verzichten, da das Anemometer buchstäblich davon geflogen ist. Dies wird bis zur Montage eines Ersatzes in den Balearen auch so bleiben. Die „scheinbare“ Windrichtung wird aber angezeigt, womit ich glücklicherweise den Autopiloten nach „Windfixierung“ weiterhin benutzen konnte.  

Die Strasse von Messina ist seglerisch eine Herausforderung und trotzdem faszinierend. Einerseits gibt es massenhaft Schiffsverkehr mit Frachtern und Tankern in der Transitrichtung und andererseits sind da Dutzende von Fähren, die Sizilien mit dem Festland verkehrstechnisch verbinden. Ob dies nicht schon Anforderung genug wäre, kommt noch eine Strömung bis zu 3 Knoten (Richtung und Stärke je nach Tageszeit) hinzu. Ein Erlebnis sondergleichen!

Gemäss Törnplan 2016 war für die Überquerung des Thyrrenischen Meeres von Palermo nach Cagliari auf Sardinien eine Mitseglerin angemeldet, die aber aus gesundheitlichen Gründen leider absagen musste. Somit war ich terminlich frei und konnte meine weiteren Abenteuer zeitlich selber bestimmen. Die Äolischen Inseln hatten mir vor zwei Jahren so gut gefallen, dass sich ein Abstecher zu diesen Vulkaninseln ohne grossen Umweg geradezu aufgedrängt hat. Es wurden viele Erinnerungen wach an die verschiedenen Törns vor zwei Jahren mit Freunden und Bekannten. Allerdings war es Anfang Mai auch in diesen südlichen Gefilden noch recht kühl.  Mitte Mai, höchste Zeit sich auf den Sprung von Sizilien nach Sardinien aufzumachen. Um den westlichsten Zipfel von Sizilien zu erreichen ging es über Céfalu, und Palermo zum Capo „San Vito“. Nach Wind- und Wettervorhersage sollte es eine ruhige und erholsame Überfahrt mit rund 170 Seemeilen werden. Diesmal war es auch so. Ein herrliches Sonntagssegeln bei Tag und beinahe Vollmond bei Nacht. Längere Zeit wurde ich auch wieder von einer Delphin Gruppe begleitet, die sich meinen Bug als Spielgenosse ausgesucht hatten. Einige Delphine trugen etwa 50 cm lange Fische an ihren Körpern. Nach Auskunft von Ocean Care handelte es sich dabei um so genannte Schiffshalter, die sich an den Delphinen festgesaugt haben. Es handelt sich dabei um makrelenartige Fische, die mit einer Saugplatte am Mund versehen sind und sich so an grösseren Tieren festhaften und mitreisen können. Sie scheinen keinen Schaden beim "Wirt" anzurichten und befreien ihn sogar von Parasiten. Bei den letzten 30 Seemeilen vor Cagliari wurde mir der Wind versagt und der „Gockel“ wie die Norddeutschen Segler den Schiffsmotor nennen, musste 5 volle Stunden hart arbeiten. Mit einem Vorteil, die Batterien voll und die Frischwassertanks über die Entsalzungsanlage bis zum Rand gefüllt! 

Südsardinien war eine neue Erfahrung für mich. Die vielen kleineren und grösseren Buchten mit weissen, unberührten Sandstränden waren bezaubernd. Allerdings dürften die Strände und Buchten während der Hochsaison von Badegästen und Ankerliegenden Yachten gut, bis sehr gut belegt sein.  Carloforte, die südwestlichste Kleininsel von Sardinien, war für mich Vorbereitungs-Destination für die Übersegelung zu den Balearen. Ein ganz hübsches Städtchen mit engen Gassen, hübschen Häusern und vielen kleinen Restaurants und Bars. In der Marina Sifredi konnte ich „Anita“ endlich wieder einmal eine Süsswasserreinigung gönnen und auch jeglichen Flugrost mit Politur von sämtlichen Edelstahlteilen (meinem Tafelsilber) entfernen.

Ende Mai hiess es dann Leinen los für die letzte Etappe zu meinem Zwischenziel Balearen. Ziemlich genau zwei Tage und zwei Nächte dauerte die Fahrt mit unterschiedlichen Windstärken - und Richtungen bis ich in Mahon, der Hauptstadt von Menorca vor Anker ging. Schön, wieder einmal in den Balearen zu weilen, die Spanische Mentalität, das gute Essen und den köstlichen Rioja zu geniessen. Geplant ist nun noch eine Umrundung Mallorcas und ein Gästetörn mitz Freunden, bis ich dann Anfang Juli das Schiff für einige Tage in der Marina Club de Mar in Palma festmachen werde und eine Woche in die Schweiz zu Familie und Freunden reisen werde.

 

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30.03.2016
00:57

Frühling 2016 - Vorbereitung zur Mittelmeerdurchquerung

Na ja, eigentlich gibt es nicht viel vorzubereiten; das Meer ist da, das Schiff ist da, Wind und Wetter sind da und der Skipper kann’s auch nicht mehr erwarten. Ich bin bereits seit Mitte Februar 2016 wieder auf dem Schiff und hatte schon Zeit mich etwas vorzubereiten. Immerhin liegen 3‘000 Seemeilen bis zu den Kanarischen Inseln vor mir und dann Ende Jahr nochmals 3‘000 Seemeilen über den Atlantik in die Karibik. Trotzdem waren die vergangenen zwei Monate nicht zu vergleichen mit dem Vorjahr, was die Arbeit am Schiff anbelangt. „Anita“ durfte im Wasser bleiben, weil ich im Vorjahr im Trockendock mit sehr viel Mühe und Arbeit eine spezielle Unterwasserbeschichtung (SeaJet 39 Platinum) aufgetragen habe, welche mindestens zwei bis drei Jahre halten soll. Im Moment, also nach einem Nutzungsjahr sieht das Unterwasserschiff wirklich immer noch wie frisch gestrichen aus.

Somit hatte ich die Gelegenheit mehrere Frühlingstörns in der Region Südtürkei, die ich in der Zwischenzeit nun doch ziemlich gut kenne, zu absolvieren. Einige markante Unterschiede gibt es in Bezug auf die Jahreszeit. Als Segler ist man alleine unterwegs und kann sich die schönsten Ankerplätze aussuchen. Und wenn dann mal eine Begegnung mit einer Segelyacht stattfindet, dazu noch unter Schweizer Flagge, dann sind mehrere Besuche angesagt, denn es gibt viel zu erfahren und zu berichten. Die Lufttemperaturen schwanken hier im Frühling je nach Wetterlage zwischen 5 und 25 Grad Celsius. Die Wassertemperatur ist allerdings konstant bei rund 18 Grad C. Die Wetterlagen erfordern im Gegensatz zum Sommer eine gute Törn Vorbereitung, denn gegen die Südost Winterstürme mit Böen bis zu 70 Knoten ist unmöglich anzukommen. Eindrücklich ist auch der Ausblick beim Schwimmen im Meer auf die schneebedeckten Berge am Horizont. Auch der Kontakt zu Einheimischen ist tiefgründiger, denn es fehlt die Hektik der Hochsaison – man hat Zeit sich kennenzulernen und auszutauschen.

Nachdem nun die beiden Zwillings Laptops mit viel Aufwand und Hilfe wieder von Windows 10 auf das bewährte Windows 7 umgestellt sind (ich weiss nun was Blue Screens sind und vor allem was sie bedeuten!) und auch das neue Ersatz Bimini/Sprayhood für die Zeit in der Karibik, angefertigt und geliefert sind, steht nur noch der Grosseinkauf für die Etappe Türkei – Griechenland – Sizilien, bevor.

Und dann… ausklarieren und Leinen los.  

 

19.12.2015
00:00

Südtürkei - Sommer, Herbst 2015

Am 30. November sind meine letzten Gäste dieser Saison von Bord gegangen und in die winterliche Schweiz zurückgekehrt. Hier in der Südtürkei konnten wir noch spätsommerliches Wetter geniessen bei über 20 Grad Tagestemperaturen und 22 Grad Wassertemperatur. Der Jahreszeitenwechsel war aber auch hier zu spüren. So hatten wir doch schon einige Regentage, weniger Wind und vor allem kürzere Tage. Die Extreme zwischen Sommer und Winter sind hier ganz ausserordentlich. Angefangen vom stetigen und zuverlässigen Sommerwind (Meltemi) mit 15 – 25 Knoten Wind zu den windarmen Winterflauten, die allerdings unterbrochen werden durch mehrtätige starke Südoststürme mit Gewitter, Hagel und viel Regen. Ganz extrem sind die Temperaturunterschiede. Sind Tagestemperaturen im Sommer von über 40 Grad normal, kühlt es im Winter dann aber auf 10 bis 15 Grad ab und nachts kann es schon mal einige Grade unter null werden. Die Wassertemperatur bleibt aber auch im Winter mit etwa 18 Grad relativ hoch. Das Meer ist ein riesiger Wärmespeicher womit baden in der Adventszeit bei 20 Grad für mich zum Alltag gehört. Auch die Veränderung des Sonnenverlaufes ist erstaunlich. Geht im Hochsommer die Sonne gegen 21 Uhr unter, verschwindet sie im Dezember bereits um 16 Uhr 30 am Horizont. Dazu trägt natürlich auch die Sommer/Winterzeit bei.

Dieses Jahr waren fast 40 Personen aus meinem Verwandten, Bekannten und Freundeskreis zu Besuch für ein- bis zweiwöchige Segeltörns und ausnahmslos alle waren begeistert von den landschaftlichen Reizen dieser Region, den zuvorkommenden, freundlichen und offenen Menschen sowie dem ausgezeichneten kulinarischen Angebot der mediterranen Küche. Ich persönlich bin beeindruckt von der Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Offenheit der einheimischen Bevölkerung in der Südtürkei. Die religiöse Toleranz zwischen Muslime und der grossen Anzahl von „andersgläubigen“ Gästen und Touristen ist wirklich erwähnenswert. Schade, dass es nicht überall auf der Welt so sein kann.

Schwarze Schafe gibt es aber auch hier. Einem solchen sind wir Ende November auf einem Törn im Golf von Fethiye begegnet. Als wir von einem Landgang per Beiboot zum vor Anker liegenden Schiff zurückgekommen sind mussten wir feststellen, dass jemand über eine verschlossene, aber nicht verriegelte Dachluke eingestiegen war. Durch die nassen Schuhabdrücke auf Tisch, Polster und Boden war dies sofort erkennbar. Was wurde aber gestohlen? Die Bordkasse lag noch da, auch sämtliche Fotoapparate, Handys, Wertsachen und Schiffsdokumente. Nach eingehender Prüfung war das Diebesgut schlussendlich eine Flasche Whisky und ein billiges Fernglas – allerdings und das lässt tief blicken, der Motor hatte Betriebstemperatur und die drahtlose Ankerbedienung lag im Cockpit. Es schien nun offensichtlich, dass die ganze Yacht gestohlen werden sollte, der oder die Diebe aber mit der drahtlosen Ankerfernbedienung (Kombigerät für Bugstrahlruder und Anker) nicht klargekommen sind und durch unser Erscheinen (zwar noch in grösserer Entfernung), schlussendlich aber davon abgehalten wurden. Riiiiiiiesen Glück gehabt also!

Mit meiner ´Anita´ bin ich nach nun drei Jahren und rund 12‘000 Seemeilen rundum zufrieden. Rumpf, Rigg und Segel machen immer noch einen neuwertigen Eindruck. Die Gewährleistung musste ich für mein Garmin Radargerät, welches bereits nach zwei Jahren den Dienst verweigert hat, in Anspruch nehmen. Offen ist noch eine zweite Gewährleistung, welche im Sommer 2016 in Palma durch Wolz Nautik zu erbringen ist. Wegen einer schadhaften Fugenmasse von SIKA, muss das ganze Teak in Cockpit und Badeplattform ersetzt werden. Ich kann mich also nicht beklagen, was allerdings auch nicht heisst,  dass die Investitions- und Unterhaltskosten zu vernachlässigen sind. Einerseits habe ich wegen schlechter Evaluation bereits mein ursprüngliches Beiboot (Honwave) durch ein AB Aluboot mit Neoprenschläuchen ausgetauscht und den 5PS „Hondastotteri“ durch eine modernere Motorengeneration, den Honda 8 PS ersetzt. Erstaunlich, aber vielleicht begründbar ist der notwendig gewordene Austausch der vier 150 Amp/h Bordbatterien. Dies bereits nach knapp drei Jahren. Spezialisten gehen davon aus, dass meine Nespresso 230 V Kaffeemaschine über den Konverter die Batterien zu stark belastet haben. Dabei geht es nicht um die Kapazität der Batterien, sondern um den plötzlichen Energiebezug. Richtig ist, dass bei Betrieb der Kaffeemaschine 140 Amp/h (!) bei 12 Volt fliessen. Zum Vergleich, die Ankerwinsch benötigt lediglich maximal 80 Amp/h. Man stelle sich nun vor, wieviel Energie bei einem genüsslichen Frühstück mit fünf männlichen oder weiblichen Kaffeetanten kurzfristig den Batterien entzogen wird. Die Lehren daraus, Nespresso Kaffee gibt es nur noch am Steg bei 230 V Stromanschluss, basta. Diese Ersatzinvestitionen haben sich immerhin auf rund 12‘000 Franken belaufen.

´Anita´ bleibt nun über Winter im Wasser, da der spezielle Unterwasseranstrich (SeaJet Platinum), den ich im Frühjahr mühsam und eigenhändig aufgetragen habe, mindestens zwei Jahre halten soll. Dies scheint auch tatsächlich der Fall zu sein, denn das Unterwasserschiff ist nach einer Segelsaison wirklich noch absolut frei von Bewuchs.

Bald geht es für mich für ein paar Wochen zurück in die Schweiz. Ich freue mich riesig auf die Familie meiner Tochter Anita mit den beiden Enkelkindern Nina und Dario. Ich habe schon einige Termine als Hütedienst in meinem Kalender eingetragen. Ich benötige aber auch Zeit, die Segelsaison 2016 vorzubereiten. Es wird ein ereignisreiches Jahr werden. Immerhin liegt die Durchquerung des Mittelmeeres vor mir, dann die Übersegelung zu den Kanaren und im Dezember schlussendlich die Atlantiküberquerung von Las Palmas nach St. Lucia.

All meinen Freunden und Sympathisanten von ´Anita´ wünsche ich eine schöne Adventszeit und einen guten Rutsch in das kommende Jahr.     

Aktueller Standort 10.10.2018
StandortCuracao Marina, Curacao 
PositionNord    12°06‘28.2"
West    068°55'19.3"
WetterSonne, Passatwolken
Barometer 1020 mb
WindSüdost 15 kn
Luft

Tag 30° / Nacht 24°

Wasser27 °

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