Logbuch

19.12.2015
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Südtürkei - Sommer, Herbst 2015

Am 30. November sind meine letzten Gäste dieser Saison von Bord gegangen und in die winterliche Schweiz zurückgekehrt. Hier in der Südtürkei konnten wir noch spätsommerliches Wetter geniessen bei über 20 Grad Tagestemperaturen und 22 Grad Wassertemperatur. Der Jahreszeitenwechsel war aber auch hier zu spüren. So hatten wir doch schon einige Regentage, weniger Wind und vor allem kürzere Tage. Die Extreme zwischen Sommer und Winter sind hier ganz ausserordentlich. Angefangen vom stetigen und zuverlässigen Sommerwind (Meltemi) mit 15 – 25 Knoten Wind zu den windarmen Winterflauten, die allerdings unterbrochen werden durch mehrtätige starke Südoststürme mit Gewitter, Hagel und viel Regen. Ganz extrem sind die Temperaturunterschiede. Sind Tagestemperaturen im Sommer von über 40 Grad normal, kühlt es im Winter dann aber auf 10 bis 15 Grad ab und nachts kann es schon mal einige Grade unter null werden. Die Wassertemperatur bleibt aber auch im Winter mit etwa 18 Grad relativ hoch. Das Meer ist ein riesiger Wärmespeicher womit baden in der Adventszeit bei 20 Grad für mich zum Alltag gehört. Auch die Veränderung des Sonnenverlaufes ist erstaunlich. Geht im Hochsommer die Sonne gegen 21 Uhr unter, verschwindet sie im Dezember bereits um 16 Uhr 30 am Horizont. Dazu trägt natürlich auch die Sommer/Winterzeit bei.

Dieses Jahr waren fast 40 Personen aus meinem Verwandten, Bekannten und Freundeskreis zu Besuch für ein- bis zweiwöchige Segeltörns und ausnahmslos alle waren begeistert von den landschaftlichen Reizen dieser Region, den zuvorkommenden, freundlichen und offenen Menschen sowie dem ausgezeichneten kulinarischen Angebot der mediterranen Küche. Ich persönlich bin beeindruckt von der Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Offenheit der einheimischen Bevölkerung in der Südtürkei. Die religiöse Toleranz zwischen Muslime und der grossen Anzahl von „andersgläubigen“ Gästen und Touristen ist wirklich erwähnenswert. Schade, dass es nicht überall auf der Welt so sein kann.

Schwarze Schafe gibt es aber auch hier. Einem solchen sind wir Ende November auf einem Törn im Golf von Fethiye begegnet. Als wir von einem Landgang per Beiboot zum vor Anker liegenden Schiff zurückgekommen sind mussten wir feststellen, dass jemand über eine verschlossene, aber nicht verriegelte Dachluke eingestiegen war. Durch die nassen Schuhabdrücke auf Tisch, Polster und Boden war dies sofort erkennbar. Was wurde aber gestohlen? Die Bordkasse lag noch da, auch sämtliche Fotoapparate, Handys, Wertsachen und Schiffsdokumente. Nach eingehender Prüfung war das Diebesgut schlussendlich eine Flasche Whisky und ein billiges Fernglas – allerdings und das lässt tief blicken, der Motor hatte Betriebstemperatur und die drahtlose Ankerbedienung lag im Cockpit. Es schien nun offensichtlich, dass die ganze Yacht gestohlen werden sollte, der oder die Diebe aber mit der drahtlosen Ankerfernbedienung (Kombigerät für Bugstrahlruder und Anker) nicht klargekommen sind und durch unser Erscheinen (zwar noch in grösserer Entfernung), schlussendlich aber davon abgehalten wurden. Riiiiiiiesen Glück gehabt also!

Mit meiner ´Anita´ bin ich nach nun drei Jahren und rund 12‘000 Seemeilen rundum zufrieden. Rumpf, Rigg und Segel machen immer noch einen neuwertigen Eindruck. Die Gewährleistung musste ich für mein Garmin Radargerät, welches bereits nach zwei Jahren den Dienst verweigert hat, in Anspruch nehmen. Offen ist noch eine zweite Gewährleistung, welche im Sommer 2016 in Palma durch Wolz Nautik zu erbringen ist. Wegen einer schadhaften Fugenmasse von SIKA, muss das ganze Teak in Cockpit und Badeplattform ersetzt werden. Ich kann mich also nicht beklagen, was allerdings auch nicht heisst,  dass die Investitions- und Unterhaltskosten zu vernachlässigen sind. Einerseits habe ich wegen schlechter Evaluation bereits mein ursprüngliches Beiboot (Honwave) durch ein AB Aluboot mit Neoprenschläuchen ausgetauscht und den 5PS „Hondastotteri“ durch eine modernere Motorengeneration, den Honda 8 PS ersetzt. Erstaunlich, aber vielleicht begründbar ist der notwendig gewordene Austausch der vier 150 Amp/h Bordbatterien. Dies bereits nach knapp drei Jahren. Spezialisten gehen davon aus, dass meine Nespresso 230 V Kaffeemaschine über den Konverter die Batterien zu stark belastet haben. Dabei geht es nicht um die Kapazität der Batterien, sondern um den plötzlichen Energiebezug. Richtig ist, dass bei Betrieb der Kaffeemaschine 140 Amp/h (!) bei 12 Volt fliessen. Zum Vergleich, die Ankerwinsch benötigt lediglich maximal 80 Amp/h. Man stelle sich nun vor, wieviel Energie bei einem genüsslichen Frühstück mit fünf männlichen oder weiblichen Kaffeetanten kurzfristig den Batterien entzogen wird. Die Lehren daraus, Nespresso Kaffee gibt es nur noch am Steg bei 230 V Stromanschluss, basta. Diese Ersatzinvestitionen haben sich immerhin auf rund 12‘000 Franken belaufen.

´Anita´ bleibt nun über Winter im Wasser, da der spezielle Unterwasseranstrich (SeaJet Platinum), den ich im Frühjahr mühsam und eigenhändig aufgetragen habe, mindestens zwei Jahre halten soll. Dies scheint auch tatsächlich der Fall zu sein, denn das Unterwasserschiff ist nach einer Segelsaison wirklich noch absolut frei von Bewuchs.

Bald geht es für mich für ein paar Wochen zurück in die Schweiz. Ich freue mich riesig auf die Familie meiner Tochter Anita mit den beiden Enkelkindern Nina und Dario. Ich habe schon einige Termine als Hütedienst in meinem Kalender eingetragen. Ich benötige aber auch Zeit, die Segelsaison 2016 vorzubereiten. Es wird ein ereignisreiches Jahr werden. Immerhin liegt die Durchquerung des Mittelmeeres vor mir, dann die Übersegelung zu den Kanaren und im Dezember schlussendlich die Atlantiküberquerung von Las Palmas nach St. Lucia.

All meinen Freunden und Sympathisanten von ´Anita´ wünsche ich eine schöne Adventszeit und einen guten Rutsch in das kommende Jahr.     

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