Logbuch

10.06.2015
05:37

Südtürkei - Frühling, Frühsommer 2015

Ich zitiere ein Whatsapp meiner Tochter Anita: „So Daddy, fertig mit dolche far niente. Es ist bald Sommer und dein Logbuch auf der Website befasst sich immer noch mit Weihnachten und Neujahr 2014“.

O.K., dann mal in die Tasten.

Da ich Anfang 2015 nur fünf Wochen in der Schweiz war, habe ich auch nur fünf Kilo zugenommen. Es war ein kurzweiliger Aufenthalt in Europa mit Taufe von meinem zweiten Enkel Dario, vielen Besuchen bei Freunden und Bekannten, einer „Kulturreise“ (Schlemmerfahrt) mit Bahn und Post nach Domodossola mit meiner verschworenen RHB-Lokführercrew, ein Besuch in Berlin und Düsseldorf (Bootsausstellung) und zu guter Letzt einem kurzen Spitalaufenthalt in Chur um einen Leistenbruch zu schliessen.

Mitte Februar, war ich dann schon wieder in Marmaris. Von Frühling war da noch gar nichts zu spüren und ohne Heizung wäre ein Aufenthalt auf meiner ‚Anita’ ziemlich verfroren gewesen. Das Schiff stand ja seit Beginn des Jahres im Werftareal der Marina, da nach zweijähriger Kreuzfahrt im Mittelmeer eine Unterwasserbehandlung (Antifouling) notwendig wurde. Diese Arbeit wollte ich für einmal selber ausführen, um den Aufwand abzuschätzen und qualitativ gute Arbeit zu leisten. Bei diesem recht anstrengenden Job gingen dann auch die fünf Kilo Übergewicht in Kürze verloren. Da ein Teil des Rumpfes mit Seepocken befallen war, musste ich grössere Flächen bis auf den Grund abschleifen und neu mit Primer versehen. Die Seepocken haben ja die schlechte Eigenschaft, dass sie ein Hormon freigeben und damit weitere Artgenossen herzlich zum Verbleiben einladen. Dieses Hormon kann nicht oberflächlich entfernt werden – schleifen, schleifen, schleifen. Anschliessend waren dann drei Antifouling Anstriche aufzutragen und einen verbesserten Ankerschutz am Bug zu montieren. Beinahe ein Monat hat es gedauert, bis meine ‚Anita’ wieder rundum wie neu erstrahlte. Anfang März wurde die Yacht dann wieder zu Wasser gelassen und die Segel, welche beim Hersteller in der Winterüberholung waren, wieder angeschlagen. Vom Sturm auf Sizilien waren einige kleinere Schäden zu beheben und zwei gebrochene Segellatten zu ersetzen. In der Zwischenzeit wurde es dann auch wärmer und zunehmend frühlingshaft.

In Bezug auf das Segeln, war der Monat März auch in der Südtürkei noch nicht optimal. So regnete es noch fast jeden zweiten Tag, begleitet von Gewittern mit Hagelschlag und die sturmartigen Südostwinde liessen nur langsam nach. Auch waren die Tage vor der Sommerzeitumstellung noch recht kurz. Zeit also, die in Mitleidenschaft gezogene Treppe am Niedergang zu schleifen und neu zu lackieren, das Deck zu reinigen und zu polieren und unter Deck den „Frühlingsputz“ anzugehen.

Ende März wagte ich dann die ersten Kurztörns von Marmaris aus. Es war herrlich wieder frei zu sein, zu segeln, das offene Meer, den Wind und die Wellen zu spüren und nachts in einsamen Buchten zu ankern – ich liebe ‚Anita‘.

Am 1. April habe ich den ersten Sprung in’s Wasser gewagt und weil dies nach einem Aprilscherz aussehen könnte, bin ich auch in den Folgetagen regelmässig schwimmen gegangen – 18 Grad, gefühlte 15 (!) und im Hintergrund noch schneebedeckte Berge. Diese Einsamkeit lockte scheinbar auch seltene Meeresbewohner in die Buchten. So konnte ich Riesenschildkröten beobachten und im Golf von Göcek hat mich ein über zwei Meter langer Blauflossen-Thunfisch mehr als eine Viertelstunde im Kielwasser der ‚Anita‘ begleitet. Diese Art (König der Thunfische in Grösse und Gewicht) ist vom Aussterben bedroht und wie mir Oceancare mitteilte eine absolute Rarität im Mittelmeer.

Da die ersten Gäste Ende Mai eingeschrieben waren (mein Sohn Andrea mit Partnerin und einem Freund), hatte ich Zeit das Törngebiet 2015 ausgiebig zu erkunden. Im Südosten bis etwa Fethye und im Nordwesten bis Bodrum. Dieses Gebiet umfasst mehrere kleinere und grössere „Golfe“ wie den Golf von Fethye und Göcek, den Golf von Yesilova und jenen von Gökova. Diese bis zu 30 Seemeilen tiefen Einschnitte in den südtürkischen Küstenverlauf sind seglerisch, landschaftlich, kulturell und kulinarisch sehr reizvoll. Seglerisch deshalb, weil die vielen kleineren und grösseren Inseln und Einschnitte auch bei Starkwind eine hohe Wellenbildung verhindern. Landschaftlich deshalb, weil die unzähligen Buchten und kleinen Fjorde umrahmt sind von üppigen Pinienwäldern und Olivenhainen die bis ans Wasser reichen. Kulturell deshalb, weil diese Region übersäht ist von baulichen Zeitzeugen der griechischen und römischen Herrschaft des Altertums. Kulinarisch deshalb, weil die vielen kleinen und einfachen Restaurants in den Buchten lokalen Fisch und türkische Spezialitäten in hoher Qualität und immer noch zu vergleichsweise sehr günstigen Preisen anbieten. Allerdings sollte man sich jeweils nach dem Preis erkundigen. Normalerweise kostet ein Fischmenü mit Beilagen, Wasser und einem Glas Rotwein zwischen 12 und 15 Euro – inklusive zuvorkommende und überfreundliche Bedienung. Ganz grundsätzlich sind die Menschen hier in der Südtürkei offen, liebenswürdig, ehrlich und sehr hilfsbereit.

Anfang Juni gab es noch einen zweiwöchigen Abstecher rund 250 Seemeilen Richtung Istanbul nach Cesme in die Marina Alacati zu einem Vertreter meiner Bootsmarke. In Garantie sollte das ganze Teak im Cockpit und der Badeplattform ausgewechselt werden. Das Fugenmaterial von SIKA stammte aus einer nicht konformen Produktioncharge und fing bei hohen Temperaturen an zu verlaufen und zu schmieren. Leider war der längere und strapaziöse Törn gegen den Meltemi nicht von Erfolg gekrönt. Die Lieferung des Materials blieb stecken und damit auch die geplante Reparatur. Diese wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, womöglich erst im nächsten Jahr in den Balearen. Trotzdem hat sich die Fahrt gelohnt. Dieser Küstenteil nördlich von Bodrum ist weniger besegelt und doch landschaftlich ausgesprochen schön. Es gibt zwar einige moderne Marinas wie Turgutreis, Kusadasi und Didim, viel zahlreicher sind jedoch die einsamen und landschaftlich reizvollen Buchten. Hier zieht der nordwestliche Wind (Meltemi) den ganzen Sommer stabil durch. Achterliche Winde und genau das Richtige für meinen Spinacker (Parasailor) um wieder nach Marmaris zurückzukehen. Herrlich, mit 8 Knoten Fahrt vor dem Wind zu segeln - nicht einmal fliegen ist schöner. 

Im Frühling und Frühsommer kann man seglerisch in der Südtürkei noch Einsamkeit und Natur pur geniessen. Die hunderte von Güllets (2-Mastsegler für All-inklusive Bootsferien) stehen noch an Land zur Winterüberholung und die Charterbasen sind noch nicht belebt. Auch die vielen Discos und Bars in den Städten und Hotels sind sich noch zögerlich am Einlaufen. Die Saison beginnt Mitte Mai und dauert bis Mitte November. Hoch zu und her geht es zu Wasser und zu Land von Juli bis September. Ab Mitte Mai bis Oktober regnet es ganz selten. Ab und zu ein kühlendes Gewitter über Land vielleicht. Die Lufttemperaturen sind im Sommer hoch bis sehr hoch, wo gegen die Wassertemperaturen erst in der zweiten Jahreshälfte 25 – 27 Grad erreichen. Dafür kann man noch an Weihnachten bei 21 Grad Wassertemperatur baden. Die allgemeine Windrichtung während der Segelsaison ist Nordwest- bis Westwind (Meltemi) der im Laufe des Tages 4-6 Beaufort erreicht und abends normalerweise wieder einschläft. Die Sturmgefahr ist verhältnismässig gering. Achten muss man allerdings auf die Fallböen, die auch in relativ geschützten Ankerplatzen von den Berghängen einfallen können. Sehr oft wird deshalb in dieser Region nicht freischwojend geankert sondern mit Anker und Heckleine zum Land. Dies hat auch den Vorteil, dass sich in der Hochsaison mehrere Yachten auch in kleineren Buchten vertäuen können. Diese Region ist dermassen abwechslungsreich und traumhaft, dass sich auch ein Seglernomade wie ich es bin, ohne weiteres eine ganze Saison hier aufhalten kann.

Die Kojen von 'Anita' sind jedenfalls ab Ende Juni bis Ende November 2015 ausgebucht. Ich freue mich auf die vielen Besuche.

 

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