Logbuch

23.06.2013
16:19

Überfahrt nach Marokko

Meine Pläne, monatlich mein Logbuch zu aktualisieren, haben sich bereits zerschlagen. Zwei Monate sind seit meinem letzten Eintrag vergangen. Zeit also, für einen Rückblick auf eine abwechslungsreiche und interessante Phase meines Projektes. Immerhin hatte ich die ersten Gäste auf meiner Yacht und zweitens habe ich „Anita“ auf einem Langstreckentörn von Palma de Mallorca nach Marokko und zurück auf Herz und Nieren getestet. Grad vorweg; „Anita“ ist der Hit!

Nun aber eines nach dem andern. Im Anschluss an die Schiffstaufe standen einige Tests der zusätzlich eingebauten Geräte und Installationen an. Bei der Vielzahl all dieses zum Teil komplizierten und komplexen Zubehörs war anzunehmen, dass nicht alles auf Anhieb so funktionierte, wie es sollte. In der Zwischenzeit weiss ich auch, dass fast jedes Gerät, auch wenn es nicht nach Computer aussieht, irgendwo einen kleinen Chip beinhaltet, der wahrscheinlich nur dazu da ist, Nichtcomputerfreaks masslos zu ärgern. Erstaunt und erfreut war ich dann aber auch, wie engagiert und kompetent einzelne Lieferanten an die Problemlösung herangegangen sind. Dabei bedanke ich mich bei Georg Seifert vom Shipshop in Duisburg und Michael Wnuk von Lunatronik für ihre grossartige Unterstützung. Bei dieser Hilfeleistung habe ich eine wunderbare neue Software mit dem Namen „Teamviewer“ kennengelernt. Man stelle sich vor, da sitzt der Spezialist von Lunatronik (W-Lan Antenne) in Tobago, der Lieferant des Satellitentelefons in Duisburg und der Hersteller dieses Gerätes irgendwo in England und alle „guseln“ auf meinem Computer in Palma de Mallorca rum, dass ich nur schon Mühe habe, mit meinen Augen dem Cursor auf meinem Bildschirm zu folgen. Da werden Netzwerkeinstellungen vorgenommen, Software via Internet installiert, Treiber heruntergeladen, usw., usw. – schon eine tolle Sache. Lernen kann man dabei gar nichts, denn es geht alles so schnell. Wichtig ist, dass am Schluss alles funktioniert.

Folgende Geräte wurden unbürokratisch in Garantie ausgetauscht:

Lunatronic                    Sende- und Empfangseinheit der Antenne

Swi-Tec                        Regler des Hydro Chargers und der Solaranlage

SLC Aquabase             Druckmanometer der Entsalzungsanlage

Nicht wirklich kundenfreundlich war das Reklamationsmarketing von HONDA betreffend meines Beibootes, welches vom ersten Tag an undicht war. Zuerst musste ich mühsam das Leck suchen (es war ja kein Loch, sondern lediglich ein langsamer Druckverlust). Dann musste ich einen Film erstellen um HONDA zu beweisen, dass das Boot wirklich leckt. Dann kam das Angebot eines Austausches, allerdings ohne Kostenübernahme des Transportes von geschätzten 350 Euro. 20% des Neuwertes in den Transport zu stecken und drei oder vier Wochen ohne Beiboot zu sein war mir nicht sympathisch, womit ich meinem Beiboot einen „Flick“ für 3 Euro verpasst habe. Ich nehme an, HONDA hat damit gerechnet oder darauf gehofft.

Mitte April stand ein weiterer Test bevor: Wie gastfreundlich ist „Anita“ wirklich? Der erste Besuch einer vierköpfigen Familie aus der Schweiz für einen Wochentörn sollte diese Frage klären. „Anita“ oder vielleicht auch die Familie aus Rothenbrunnen haben den Test bestens bestanden. Trotz eher unfreundlichen Wetters und eher zu viel Wind haben wir eine unvergessliche Segelwoche zusammen erlebt, sodass zwei Wochen nach Törnende bereits eine Anfrage für einen weiteren Törn im Herbst eingetroffen ist.

Ende April begann dann das erste grosse Abenteuer mit dem Langstreckentörn nach Marokko. Für diesen Törn habe ich mir von BAVARIA Spain einen Profisegler aus Spanien als Mitsegler vermitteln lassen. Einerseits wollte ich nicht 70 oder 80 Stunden ohne Schlaf auskommen (in dieser Mittelmeerregion ist wegen des hohen Schiffsaufkommens eine ständige Ruderwache absolut zwingend) und andererseits wollte ich die Segeleigenschaften und das Rigg meiner neuen Yacht durch einen Profi-Regattasegler testen und optimal trimmen lassen. Dass dieser Mitsegler auch noch ein ausgezeichneter Koch ist (ausgezeichnet als bester Koch der ARC Atlantik-Regatta 2012), wusste ich nicht, schätzte ich aber über alle Massen. Die knapp 1‘000 Seemeilen haben dann gezeigt, dass „Anita“ für noch viel grössere Strecken fähig und bereit ist. Die Reise ging via Ibiza, dem spanischen Festland entlang und immer weiter südlich. Profitiert von den Ortskenntnissen meines Mitseglers Javier Perez habe ich in einer brenzligen Situation, als ein Fischertau unsere Antriebsschraube blockiert hatte und wir bei Starkwind einen geeigneten Hafen suchen mussten um ohne Motor, unter Segel, sicher und unfallfrei einlaufen zu können um den Schaden beheben zu lassen. Ein paar Telefonate von Javier genügten und schon standen beim Einlaufen in den Hafen von Garrucha fünf Helfer und ein Taucher am Anlegequai bereit. In kurzer Zeit hat der Taucher dann meine Antriebsschraube von den Resten eines Fischernetzes befreit (siehe Abbildung).

Weiter ging dann die Reise über den Golf von Alboran nach SAIDIA in Marokko. Ein aussergewöhnliches Erlebnis ist es, nachts durch diese Meerenge nahe von Gibraltar zu segeln. Der Schiffverkehr von West nach Ost und umgekehrt ist dermassen gross, dass man sich wie auf einer Autobahn vorkommt, die man zu Fuss überqueren möchte. Es ist ein Verkehrstrennungsgebiet für die grossen Frachtschiffe und Tanker, welches die Sportschifffahrt rechtwinklig so rasch wie möglich zu durchqueren hat. Zum Glück ist „Anita“ mit AIS (Automatic Identification System) ausgerüstet, welches die Berufsschiffe auf dem eigenen Kartenplotter als grüne oder rote Dreiecke mit Kursverlauf anzeigt, je nachdem ob diese allenfalls eine Kollisionsgefahr darstellen oder nicht. Bis zu vierzig (!) Grossschiffe hat das AIS-Gerät zeitweise angezeigt, welche unseren Kurs kreuzen (siehe Bild). Das ist vor allem nachts beeindruckend, wenn man am Ruder steht und mitten auf dem Meer ein Lichtermeer von Positionslampen vorbeizieht und bei Annäherung Silhouetten von Riesentankern und Containerschiffen sichtbar werden. In Marokko herrschten bereits sommerliche Temperaturen, auch in der spanischen Enklave „Melilla“, einer quirligen Stadt, die ebenfalls auf dem Nordafrikanischen Kontinent liegt. Melilla könnte allenfalls ein Winterquartier für „Anita“ werden. Die Stadt hat wunderschöne Parks und Prunkbauten, eine wunderschöne Altstadt mit afrikanischem Flair und freundliche Menschen verschiedenster Nationalitäten. Auch der Club Nautic mit Swimmingpool, Squashplätzen, Fitnesscenter und Restaurant ist nicht ohne. In der afrikanischen Küstennähe gibt es relativ wenig Schiffsverkehr weshalb wir immer wieder von Delphinen begleitet werden, die unseren Schiffsrumpf als Spielkollegen betrachten und geschmeidig und schnell den Bug kreuzen und elegante Sprünge vorführen. Dieses Schauspiel wird nie langweilig auch wenn die Tiere uns manchmal 20 Minuten und länger begleiten. Auf der Rückreise zu den Balearen stand noch ein Besuch der Marina Almerimar am spanischen Festland auf dem Programm, denn auch dieser Hafen wäre für eine Überwinterung bestens geeignet. 

Mitte Mai war ich dann rechtzeitig nach Palma zurückgekehrt um den nächsten Gast rund um Mallorca zu führen. Ein langjähriger Arbeitskollege, der noch nie auf einem Segelschiff war und sich grad mal 14 Tage Segelurlaub zugetraut hat. Nach zwei Tagen Stutgeron (Medikament gegen Seekrankheit) war er absolut seegängig. Meine autarke „Anita“ ist mit Entsalzungsanlage und Solar/Windgenerator 14 Tage ohne externen Strom und Wasser ausgekommen und wir hatten mit beiden Elementen absolut nicht gespart. Nicht verzichtet hatten wir allerdings auf gutes und reichhaltiges Auswärtsessen. Auch sonst hatten wir ziemlich gefeiert, sodass ich mir nun eine ganze Woche Alkoholverbot verschrieben habe.

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